Dieses bescheuerte Herz

(C) Constantin Film

Lenny ist von Beruf Sohn, hat schon viele Studiengänge abgebrochen und geht jeden Tag feiern. Seinem Vater, einem Chefarzt, gefällt das überhaupt nicht. Als Lenny eines Tages wieder einmal besoffen vom feiern nach Hause kommt und dabei seinen Porsche im Pool versenkt, reicht es ihm. Er setzt seinen Sohn erst einmal vor die Tür und lässt die Kreditkarten sperren.

Doch er gibt Lenny eine Chance: wenn Lenny sich um Jugendlichen David, einem schwer herzkranken Patienten, kümmert und ihm seine Wünsche erfüllt, kann Lenny weiter über Geld verfügen. Lenny hat darauf nun mal überhaupt keinen Bock und lässt das David auch erst einmal spüren. Aber im Laufe der Zeit wächst der kranke Jugendliche Lenny ans Herz und es entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den Beiden.

Mein Fazit

Der Film beruht auf der wahren Geschichte von Daniel Meyer und Lars Armend, die ihre Erlebnisse und ihre Freundschaft im gleichnamigen Buch niedergeschrieben haben. Trotz der schweren Krankheit und der Aussicht auf einen baldigen Tod geht es aber nicht um die letzte Begleitung auf dem Weg ins Jenseits, sondern um das Leben und die Zukunft.

Der Regisseur Marc Rothemund hat das Händchen, die Geschichte mit der notwendigen Dramatik und einer großen Portion Hoffnung zu erzählen. Mit viel Humor versprüht der Film eine Leichtigkeit, obwohl für David der Tod an jeder Ecke lauert.

Ganz hervorragend war die Auswahl der Schauspieler. Nadine Wrietz spielt die Mutter mit ihren Sorgen und Ängsten so hervorragend, dass man an der Authentizität nicht zweifeln kann. Als hätte man die echte Mutter in diesen Situationen gefilmt. Elyas M’Barek spielt einmal mehr die Rolle eines arroganten Egomanen, zeigt aber einmal mehr, dass er auch mehr kann und wandelt sich im Laufe des Films zu einem gut umsorgenden Freund.

Aber der wahre Star des Films ist Philipp Schwarz, der Elyas M’Barek mit seiner Leistung richtig blaß aussehen lässt. Die Rolle des David verkörpert er, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Im Zusammenspiel mit Nadine Wrietz glaubt man wirklich, Mutter und Sohn auf der Leinwand zu haben. Einfach grandios, diese Leistung.

Gefühl, Witz und Leichtigkeit in einem Thema, das normalerweise kein Happy End beinhaltet.

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Jugend ohne Gott

Inhalt

(C) Constantin Film

Zacharias gehört zu den priviligierten der Gesellschaft. Doch er ist in seiner Rolle nicht glücklich und hinterfragt, was eigentlich ein gesellschaftlicher Status ist. Bei seiner Rebellion wird er von seiner Camp-Kollegin Nadesh gestört. Immer wieder dringt sie in seine Privatsphäre ein. Bis eines Tages Nadesh tot ist – und Zacharias der Hauptverdächtige.

Aber an Zacharias‘ Version gibt es Zweifel. Die Illegale Ewa hat Blut von Nadesh an ihrer Kleidung. Zacharias, in Ewa verliebt, versucht sämtliche Schuld auf sich zu nehmen.

Der Lehrer der Klasse, zu der Zacharias und Nadesh gehören, hat jedoch Zweifel. In der Gerichtsverhandlung gibt er zu, einen Teil der Schuld an Nadesh‘ Tod zu haben.

Trailer

Mein Fazit

Der Film zeigt die Ereignisse aus Sicht von vier Personen. Da es hauptsächlich um Nadesh und Zacharias geht, sind deren Erzählungen natürlich die längsten. Die Jungschauspieler brillieren in ihren Rollen, manche passen auch optisch perfekt in ihren Charakter. Grandiose Besetzung!

Deutlich wird im Film die soziale Trennung und soziale Kälte thematisiert, die durch eine Leistungsgesellschaft unweigerlich entsteht. Eine eindeutige Kritik und vor allem eine Warnung an unserer derzeitigen Gesellschaft. Nie war der Leistungsdruck höher als heute. Ich finde, der Film zeigt perfekt eine mögliche Zukunft, wenn sich nichts ändert.

Für mich gehört Jugend ohne Gott mit zu den Highlights des Kinojahres 2017. Und ja, wieder ein Beispiel dafür, dass auch Deutschland Filme kann. Es darf nur keine Komödie sein.

Atomic Blonde

Inhalt

(C) Universal Pictures International Germany GmbH

Die Top-Agentin Lorraine des britischen Gemeinsdienstes soll eine höchst brisante Liste besorgen: eine Liste über alle Spione in West- und Ost-Berlin. Da sich die Stimmung im November 1989 in der Bevölkerung der DDR zunehmend aufheizt, wird der Zusammenbruch der Mauer befürchtet und deshalb drängt die Zeit.

Zugleich soll Lorraine einen Doppelagenten enttarnen, der sowohl für den MI6, als auch für den KGB arbeitet. An ihre Seite bekommt sie David, der schon seit langer Zeit in Berlin verweilt und Kontakte auf beiden Seiten der Mauer hat.

David kennt auch den Ersteller der Liste, einen Stasi-Agenten. Er behauptet, die Liste auswendig zu kennen und fordert, in den Westen gebracht zu werden. Für die Geheimdienste aller Seiten wird er damit zum Zielobjekt. Wie auch der Mikrofilm mit der Liste, um den sich jeder Geheimdienst bemüht.

Trailer

Mein Fazit

Blut spritzend, langatmig, überraschend, realistisch. So ungefähr könnte man den Film mit wenigen Worten beschreiben. Aber mal der Reihe nach.

Ja, Blut spritzt, ungewöhnlich viel und ungewöhnlich so dargestellt, wie in diesem Film. Während man bei anderen Actionfilmen zwar auch Blut spritzen sieht, ist es hier besonders: das Blut spritzt direkt in und auf die Kamera. Es fehlt eigentlich nur noch, dass es von der Leinwand tropft.

Zudem sind die Kämpfe zwischen den Spionen für mich erschreckend realistisch dargestellt. Kennt man es aus anderen Filmen, dass sie immer wieder sofort aufstehen und gleich wieder kämpfen – hier ist das anders. Die Kontrahenten bleiben liegen, raffen sich erst nach einiger Zeit auf und sind langsamer in der Reaktion, nicht mehr so schlagkräftig und durch ihre Verletzungen gehemmt. So realistische Brutalität – ich bin verwundert, dass man damit eine Freigabe ab 16 Jahren erreicht hat.

Die Geschichte selbst erscheint verworren, die verschiedenen Rollen der einzelnen Charaktere unklar. Es gibt immer wieder Wendungen, die mehr verwirrend als aufklärerisch sind. Allerdings gibt es auch Überraschungseffekte, insbesondere am Ende, die den Film wieder in Gang bringen und die Spannung aufrechterhalten oder für Aha-Effekte sorgen. Insgesamt war er mir aber etwas zu lange und lässt einen mit ein paar Fragen zurück. Oder aber er wurde zu kurz, weil Entscheidendes für das Verständnis herausgeschnitten wurde?

Metropolis

Inhalt

(C) Warner Bros. Home Video/Murnau-Stiftung

Freder, Sohn des Erbauers und Herrschers über Metropolis, wächst in der Welt der reichen Oberschicht auf, in den Gärten und Gebäuden an der Oberfläche. Den Arbeitern der Stadt bleibt diese Welt jedoch verwehrt – sie vegetieren tief im Untergrund in engen Bauten. Mit Massenaufzügen werden sie zu ihren 10-Stunden-Schichten an den Maschinen gefahren, während sich oben die Reichen vergnügen.

Maria, die regelmäßig in den Katakomben zu den Arbeitern predigt, zeigt den Kindern die Gärten im Club der Söhne, wo sie von Freder entdeckt wird. Sofort verliebt sich Freder in sie und taucht hinab in den Untergrund, um Maria wiederzufinden.

Dabei gerät er in die Machenschaften seines Vaters, der mit dem Erfinder Rotwang eine Mensch-Maschine gebaut hat. Die Mensch-Maschine mit dem Aussehen Marias stachelt die Arbeiter zum Aufruhr an und sie zerstören die Maschinen, die Metropolis am Leben erhalten.

Trailer

Mein Fazit

Ich hatte das Glück und die Ehre, dieses restaurierte Meisterwerk von 1927 im Kino auf der großen Leinwand sehen zu dürfen. Die Bilder wirken gewaltig, Spannung ist gegeben. Die Aussagen des Films sind aktuell bis in die heutige Zeit, wenn auch die Schlussszene und die Liebesgeschichte ziemlich kitschig sind. Für das damalige Publikum dürfte das aber am Nabel der Zeit gewesen sein.

Als Stummfilm noch ohne große Dialoge ist es Fritz Lang mit seinen grandiosen Schauspielern dennoch gelungen, einen Film zu schaffen, der heutige Produktionen um Längen schlägt. Die Macht der Bilder wird durch den Film Metropolis eindrucksvoll demonstriert. Nach dem Film fragt man sich, wie sich Ton- und Farbfilm überhaupt durchsetzen konnten.

Maria Mafiosi

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(C) Universum/24 Bilder

Maria Moosandl ist Polizistin in Landsberg am Lech und mittlerweile unübersehbar schwanger. Bisher hat sie noch niemanden verraten, dass der Vater Rocco Pacelli ist. Maria und Rocco treffen sich bisher immer heimlich, denn Rocco ist schon von Kind auf Donatella versprochen.

Aber nicht nur das ist ein Problem. Roccos Vater verkauft im Auftrag der italienischen Mafia Drogen im beschaulichen Landsberg und schreckt dafür auch vor Mord nicht zurück. Als genau ein solcher passiert, muss Maria Ermittlungen gegen ihren Schwiegervater in Spe und gegen ihrem geliebten Rocco aufnehmen.

Trailer

Mein Fazit

Ich habe selten soviel gelacht, wie bei der Vorstellung dieses Films. Das Regiedebüt von Jule Ronstedt ist leichte, humorige Unterhaltung für die ganze Familie. Kein Klischee wird ausgelassen, nichts wird bis zur Absurdität übertrieben. Die Verwicklungen und Spannungen zwischen Schwangerschaft, Mafiafamilie und Polizeidienst werden von Lisa Potthoff bravourös auf die Leinwand gespielt.

Es ist der Lokalkolorit und die Leichtigkeit, die Maria Mafiosi zu einem Highlight macht. Während die Eberhofer-Krimis ihren Humor aus dem Hauptcharakter ziehen, ist es hier die Handlung, die mit Familienproblemen auch die Wirklichkeit einbezieht. Humor für jedermann.

Hinweis: Ich habe den Film vor vier Monaten in einem Probescreening gesehen und beziehe mich mit einem Beitrag darauf. Etwaige Änderungen am Film sind deshalb nicht berücksichtigt.

Plan B – Scheiss auf Plan A

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(C) Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Die vier Kumpels U-Gin, Can, Phong und Cha sind in ihren Jobs als Stuntmen ziemlich erfolglos. Cha hat sich erfolgreich auf eine Arbeitsstelle beworden und Phong erwartet mit seiner Freundin ein Baby. Doch als U-Gin ein neues Casting an Land zieht, lassen sie sich noch einmal überreden.

Aufgrund eines Zahlendrehers landen die vier Freunde jedoch nicht bei einem Casting, sondern mitten im Versteck einer Entführung. Der kriminelle Eddy hält die Frau des Gangsterbosses Gabriel gefangen, um an dessen Tresor zu gelangen. Aber die Kombination und der Standort des Tresors sind wie bei einer Schnitzeljagd über Berlin verteilt.

Eddy beschließt, dass die Freunde die Kombination und den Tresor besorgen sollen. Phong behält er als Sicherheit und so haben U-Gin, Can und Cha keine Wahl. Sie machen sich auf zu den ersten Koordinaten und lassen sich auf die gefährliche Suche ein.

Trailer

Mein Fazit

Ganz im Stil der 1980er ist den beiden Regisseuren ein richtig guter Film gelungen. Eine Mischung des Humors der Supernasen-Filme, der Absurdität und des Schnittes der Filme von Dieter Hallervorden in den 1980ern und das zur Krönung Martial Arts-Action von Jackie Chan. Ein grandioses Experiment, gewagt und am Ende doch erfolgreich. Gratulation.

Die Hommage an die 1980er wird zusätzlich noch durch die vier Hauptcharakteren unterstrichen, die sich durch Auftritt, Kleidung und Zitaten als Fans der Action- und Komödienfilme dieser Zeitepoche entlarven. Die Besetzung mit unbekannten Gesichtern sorgt für eine Frische, die man sonst selten erlebt.

Die große Überraschung: Deutschland kann auch Martial Arts. Einzig der Titel ist unglücklich gewählt. Wie man den Outtakes am Ende des Films entnehmen kann, lief der Film unter dem Arbeitstitel 4 gewinnt. Mir hätte der besser gefallen.

Lommbock

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(C) Wild Bunch/Central Film

Stefan lebt zwischenzeitlich in Dubai und möchte Yasemin heiraten. Da ihm dazu noch eine Urkunde fehlt, fliegt er zurück nach Würzburg um sich dort im Rathaus die Urkunde persönlich abzuholen. Er möchte die wenigen Tage auch dazu nutzen, sich mit seinem früheren besten Freund Kai zu treffen. Kai und Stefan hatten einst einen Pizzaservice, den sie als Tarnung zum Drogenhandel nutzten.

Kai freut sich sehr, dass sein Freund Stefan wieder in Deutschland ist und gemeinsam verbringen sie den Abend in dem alten Lieferservice mit Zocken und Bier. Und wie es so kommt, kiffen die beiden früheren Kiffer-Freunde auch was das Zeug hält.

Am nächsten Tag gibt das für Stefan aber das böse Erwachen. Er muss vor der Hochzeit in Dubai einen Drogentest machen, die dortige Regierung ist sehr streng. Nach dieser Nacht kann er aber nicht einfach zurück fliegen, der Test wäre positiv. Also verlängert er unter einem Vorwand seinen Aufenthalt in Deutschland, um die Drogen aus dem Körper zu bekommen. Dabei gerät er mit seinem Freund Kai von einer Katastrophe in die nächste.

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